Wer kann die Urkunde bei einer Hochzeitszeremonie lesen? Rollen und Verantwortlichkeiten

Bei einer standesamtlichen Trauung denkt man oft, dass der Bürgermeister alles vorliest, vom ersten bis zum letzten Wort. In der Praxis erfordert das Vorlesen des Trauungsaktes und der Artikel des Bürgerlichen Gesetzbuches mehrere Beteiligte, und die Verteilung der Rollen variiert je nach Größe der Gemeinde und interner Organisation des Standesamtes.

Delegation des Vorlesens des Aktes: Wer ist konkret im Trauzimmer tätig?

In einer kleinen Gemeinde ist es oft die Standesamtsekretärin, die den Trauungsakt vorliest, während der amtierende Bürgermeister den Ablauf der Zeremonie leitet. Diese Verteilung ist nicht unerheblich: Wenn die gewohnte Sekretärin abwesend ist (Urlaub, Krankheit oder sogar ihre eigene Hochzeit), stellt sich die Frage, wer sie ersetzen kann.

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In diesem Punkt ist das Vorlesen des Aktes kein Akt öffentlicher Autorität. Es stellt nicht die Einholung des Einvernehmens dar, noch die Erklärung der Vereinigung. Konkret kann jede Person, die im Raum anwesend ist, den Akt laut vorlesen, einschließlich eines Angehörigen des Paares oder eines kommunalen Angestellten aus einer anderen Gemeinde. Was rechtlich zählt, ist, dass der Standesbeamte (der Bürgermeister, ein Stellvertreter oder ein delegierter Gemeinderat) die Erklärung der Vereinigung ausspricht und die Einwilligungen einholt.

Um den rechtlichen Rahmen dieser Verteilung zu vertiefen, kann man auf die Lesung des Artikels des Bürgerlichen Gesetzbuches auf Espace Mariage verweisen, die die anwendbaren Texte detailliert beschreibt.

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Standesbeamter und Vorlesen der Artikel des Bürgerlichen Gesetzbuches: zwei verschiedene Funktionen

Man verwechselt regelmäßig zwei Momente der zivilen Zeremonie: das Vorlesen der Artikel des Bürgerlichen Gesetzbuches, die die Rechte und Pflichten der Ehegatten betreffen, und das Vorlesen des eigentlichen Trauungsaktes (der die Identität der Ehegatten, der Zeugen, das gewählte Güterrecht usw. zusammenfasst).

Trauzeuge liest eine Rede während einer Zeremonie im Freien in einem Weingut

Nur der Standesbeamte ist verpflichtet, die Artikel des Bürgerlichen Gesetzbuches den zukünftigen Ehegatten vorzulesen. Artikel 75 des Bürgerlichen Gesetzbuches schreibt dieses Vorlesen vor der Einholung des Einvernehmens vor. Der Standesbeamte ist der Bürgermeister, ein Stellvertreter oder ein Gemeinderat, der eine Delegation erhalten hat. In großen Städten übernehmen zunehmend speziell befugte kommunale Beamte diese Funktion, was eine Professionalisierung der Rolle des Feiernden widerspiegelt.

Das Vorlesen des Trauungsaktes (das zusammenfassende Dokument, das am Ende der Zeremonie unterzeichnet wird) gehört zu einer administrativen Praxis, nicht zu einer persönlichen Verpflichtung des Beamten. Hier kommt die Standesamtsekretärin, ein Angestellter oder sogar ein Dritter am häufigsten zum Einsatz.

Was der Beamte nicht delegieren kann

  • Die Einholung des Einvernehmens der Ehegatten (das feierliche “Ja”): exklusiver Akt des Standesbeamten
  • Die offizielle Erklärung der Vereinigung im Namen des Gesetzes: nur der Beamte spricht die Formel aus, die die Ehegatten vereint
  • Die Unterschrift des Aktes in der Eigenschaft als Beamter: sie zieht seine administrative Verantwortung nach sich

Alles andere im Ablauf (laut vorlesen des Aktes, Vorstellung der Zeugen, Begrüßungsrede) kann einer anderen Person anvertraut werden.

Trauzeugen und Angehörige: Dürfen sie während der zivilen Zeremonie einen Text vorlesen?

Die Zeugen haben eine präzise Rolle bei der standesamtlichen Trauung: Sie bezeugen die Realität der Feier und unterschreiben den Akt. Ihre Anwesenheit ist obligatorisch (mindestens zwei, maximal vier). Im Gegensatz dazu steht es einem Zeugen nicht entgegen, den Trauungsakt oder einen anderen Text während der Zeremonie vorzulesen, vorausgesetzt, der Standesbeamte akzeptiert dies.

In der Praxis variieren die Rückmeldungen zu diesem Punkt. Einige Standesämter wenden einen strengen Ablauf an, bei dem nur das kommunale Personal die offiziellen Dokumente vorliest. Andere, insbesondere in kleinen Gemeinden, akzeptieren gerne, dass ein Angehöriger das Vorlesen des Aktes übernimmt, um der Zeremonie eine persönlichere Note zu verleihen.

Wenn ein Angehöriger den Akt liest: Vorsichtsmaßnahmen

Wenn man das Vorlesen des Aktes einem Angehörigen oder einem Zeugen anvertraut, sollten einige Punkte beachtet werden:

  • Der Akt muss vollständig oder in der vom Standesbeamten genehmigten Version vorgelesen werden, ohne Änderungen oder Auslassungen der erforderlichen Angaben
  • Die Person, die vorliest, trägt keine rechtliche Verantwortung für dieses Vorlesen, sie ersetzt nicht den Beamten
  • Der Standesbeamte bleibt anwesend und überwacht den Ablauf, er übernimmt wieder die Kontrolle für die Einholung des Einvernehmens und die Erklärung der Vereinigung

Man unterscheidet also klar zwischen lautem Vorlesen (materielle Aufgabe) und öffentlichen Autoritätsakten (Einvernehmen, Erklärung, offizielle Unterschrift).

Vollständiges oder verkürztes Vorlesen des Trauungsaktes: Was die Gemeinde anpassen kann

Eine häufige Frage betrifft die Länge des Vorlesens. Artikel 75 des Bürgerlichen Gesetzbuches schreibt das Vorlesen bestimmter Artikel vor, die die Pflichten der Ehegatten betreffen. Für den Trauungsakt selbst (das unterzeichnete Dokument) ist ein synthetisches Vorlesen in den meisten Standesämtern üblich.

Der Standesbeamte oder die benannte Person konzentriert sich auf die Hauptangaben: vollständige Identität der Ehegatten, Geburtsdatum und -ort, Güterrecht, Identität der Zeugen. Die administrativen Angaben (Aktnummern, Veröffentlichungsreferenzen) werden oft mündlich nicht erwähnt, sind jedoch im schriftlichen Dokument enthalten.

Priester, der den Trauungsakt vor den Brautleuten am Altar einer Kirche liest

Diese Flexibilität beim Vorlesen ermöglicht es, die Zeremonie an die verfügbare Zeit anzupassen, insbesondere in städtischen Gemeinden, in denen mehrere Hochzeiten am selben Tag stattfinden. Der Standesbeamte behält die Verantwortung dafür, dass alle gesetzlichen Angaben im schriftlichen Akt enthalten sind, auch wenn sie nicht alle laut vorgelesen werden.

Der rechtliche Rahmen der standesamtlichen Trauung lässt also mehr Spielraum zu, als man denkt, wenn es um das Vorlesen geht. Der Standesbeamte bleibt der einzige Garant für die rechtliche Gültigkeit der Zeremonie, aber das Vorlesen des Aktes kann einem Angestellten, einem Zeugen oder einem Angehörigen anvertraut werden, je nach lokalen Gepflogenheiten und dem Willen der Ehegatten.

Wer kann die Urkunde bei einer Hochzeitszeremonie lesen? Rollen und Verantwortlichkeiten